Ein Fokus auf Souveränität und Eigenständigkeit
Die jüngsten Entwicklungen in Burkina Faso gehen in den sozialen Medien viral. Präsident Ibrahim Traoré hielt eine Rede, in der er vor jungen Menschen den negativen Einfluss ansprach, den Religion auf viele andere Länder hatte. Burkina Fasos Präsident Ibrahim Traoré stellt unmissverständlich klar, dass „keine Religion über der Nation steht“, und hält daran fest, dass das Land eine säkulare Republik bleibt. Obwohl er selbst den Islam praktiziert, setzt er sich für die absolute Glaubensfreiheit aller Bürger ein und lehnt die Einführung der Scharia strikt ab. Traoré kritisierte burkinabische Studierende, die im Ausland Scharia-Recht studieren, und argumentierte, sie sollten stattdessen technische oder landwirtschaftliche Fähigkeiten erlernen, um das Land voranzubringen.
Um Radikalisierung einzudämmen, lehnte er ausländische Gelder für Moscheen ab und forderte stattdessen Investitionen in Schulen und Krankenhäuser. Zudem kündigte er eine ausgewogene staatliche Unterstützung für muslimische, christliche und traditionelle Gemeinschaften an. In vielen afrikanischen Ländern wie Nigeria, Ghana oder Kamerun ist die Religion zu einem Entwicklungshemmnis geworden. Überall wachsen Kirchen und Moscheen wie Pilzen aus dem Boden, anstatt Fabriken zu errichten, die Arbeitsplätze schaffen und die Nationen voranbringen. Viele Bürger ziehen es vor zu beten und darauf zu warten, dass Gott ihre Probleme löst. Vielleicht gibt es Hoffnung, dass das Video von Traoré viele afrikanische Jugendliche dafür sensibilisiert, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Das ideologische Fundament
Ibrahim Traoré hat eine Regierungsideologie eingeführt, die gemeinhin als von Sankara inspirierter Antiimperialismus, Wirtschaftspopulismus und militanter Panafrikanismus beschrieben wird. Er nennt seinen Ansatz eine „Progressive Populäre Revolution“. Im Inland ist Traorés Ideologie bei der Jugend und der städtischen Bevölkerung äußerst populär. Sie begrüßen die sichtbaren Fortschritte bei der lokalen Industrialisierung, der Verstaatlichung von Ressourcen und den antikolonialen Stolz.
Ich habe mit jemandem aus Burkina Faso, der in Deutschland lebt, über diese Entwicklungen gesprochen. Er erwähnte, dass die Ideologie von Traoré die Denkweise vieler Bürger positiv verändert habe. Die Menschen beteiligten sich, indem sie Anteile an verschiedenen Projekten kaufen würden. Er erwähnte, dass die Regierung zwar durch einen Putsch an die Macht gekommen sei, dass sie aber Demokratie praktisch umsetze, indem sie die in Burkina Faso lebenden Bürger und die Diaspora auffordere, Projektideen und Entwicklungsempfehlungen über die Botschaften einzureichen. Er sei der Ansicht, dass der Präsident zwar ein Militär ist, die Mehrheit der Bevölkerung ihn jedoch unterstütze – was für ihn eine „populäre Demokratie“ darstelle. Wahlen sollten nicht das einzige Kriterium sein, um zu beurteilen, ob ein System demokratisch ist oder nicht. Burkina Faso weitet seine Investitionen in Straßen und in die öffentliche Infrastruktur aus und fördert gleichzeitig die Mobilisierung inländischer Ressourcen. Dies heizt die Debatte über Afrikas Weg zu nachhaltiger Entwicklung und wirtschaftlicher Unabhängigkeit an. Durch die Priorisierung inländischer Ressourcen, die Beiträge der Diaspora sowie eine stärkere nationale Kontrolle über strategische Sektoren hofft die Regierung, eine widerstandsfähigere und autarke Wirtschaft aufzubauen.
Wirtschaftswachstum unter Traoré
In etwas mehr als zwei Jahren hat Burkina Fasos Regierung unter Ibrahim Traoré eine Strategie der strikten wirtschaftlichen Unabhängigkeit aggressiv vorangetrieben. Traoré lehnte die traditionellen westlichen Finanzsysteme ab und erklärte, dass Afrika weder die Weltbank, den IWF, Europa noch Amerika brauche. In der Folge steuerte er das BIP des Landes von 18,8 Milliarden Dollar auf 22,1 Milliarden Dollar – ganz ohne Auslandskredite. Um finanzielle Eigenständigkeit zu erreichen, setzte die Regierung drastische interne Reformen um. Sie kürzte die Gehälter von Ministern und Parlamentariern um 30 %, erhöhte die Bezüge der Beamten um 50 % und beglich erfolgreich die Inlandsschulden des Landes.
Die Ressourcensouveränität rückte mit der Eröffnung einer modernen Goldmine im Jahr 2023 in den Mittelpunkt, verbunden mit einem Exportverbot für Rohgold nach Europa, um die Wertschöpfung der Verarbeitung im Land zu halten. Die industrielle Kapazität wurde durch den Bau von zwei neuen Tomatenverarbeitungsbetrieben und einer zweiten Baumwollfabrik rasch ausgebaut. Dadurch wurde die Abhängigkeit von ausländischer Fertigung durchbrochen und das Land in Richtung einer selbsttragenden Wirtschaft gelenkt.
Opposition und Kritik
So sehr Traoré in ganz Afrika bewundert wird, gibt es im Land dennoch Gruppen und Organisationen, die sich seiner Herrschaft widersetzen. Möglicherweise handelt es sich um diejenigen, die vom alten korrupten System profitiert haben, sowie um externe Akteure, die die natürlichen Ressourcen des Landes ausgebeutet haben und nun jeglichen Zugang dazu verloren haben.
Viele Afrikaner fragen sich, warum europäische Länder sich so sehr auf die Kritik an Burkina Faso, Mali und Niger konzentrieren, während sie bei Ländern wie Kamerun, Kongo-Brazzaville, Äquatorialguinea oder Uganda wegschauen – Länder mit Scheindemokratien und Präsidenten, die seit über 30 bis 40 Jahren an der Macht sind. Vergleicht man das, was Traoré in vier Jahren erreicht hat, hat Paul Biya in Kamerun in seiner 40jährigen Herrschaft nicht einmal ein Drittel vorzuweisen. Es stellt sich also die Frage: Welches Modell ist für den Kontinent geeignet?
Liebe Leserinnen und Leser, wie Sie sehen, ist Entwicklung ein komplexes Thema. Lassen Sie uns sehen, welche Modelle den Kontinent in die richtige Richtung führen werden.